Rom, 25. Februar 2026. Ende Februar wurde Rom zu einem wichtigen Treffpunkt für die kubanische Zivilgesellschaft in Europa. Mehr als hundert Vertreter von Organisationen und Vereinigungen der kubanischen Diaspora nahmen an einem Dialog mit dem Leiter der US-Diplomatischen Mission in Havanna, Mike Hammer, teil, um über die politische und soziale Realität in Kuba sowie über die Rolle der internationalen Gemeinschaft zu sprechen.
Unter den Teilnehmern befand sich auch Legren Vélez, Präsident der Vereinigung MenschenDeCuba e.V. und Mitglied des Foro Cubano Europeo por los Derechos Humanos, der im Namen eines Teils der unabhängigen kubanischen Zivilgesellschaft in Deutschland sprach. Aus der Perspektive engagierter Bürger, die sich für eine demokratische Zukunft der Insel einsetzen, stellte dieses Treffen einen weiteren Schritt beim Aufbau eines internationalen Netzwerks dar, das das Schweigen durchbrechen und die grundlegenden Rechte des kubanischen Volkes verteidigen will.
Den romantischen Mythos der Revolution hinterfragen
Während seines Europa-Besuchs formulierte Mike Hammer eine klare Diagnose: In Europa existiere noch immer ein gewisser „romantischer Blick“ auf die Mythen der kubanischen Revolution, der die Realität des Alltags der Menschen auf der Insel nicht widerspiegle.
Der Diplomat betonte, dass Kuba ein politisches System mit nur einer legalen Partei sei und dass Menschen, die ihre Meinung frei äußern, mit Verhören, Festnahmen und Gefängnis rechnen müssen. Laut aktuellen Berichten von Menschenrechtsorganisationen sitzen über tausend Menschen aus politischen Gründen in Haft – eine Zahl, die die Schwere der Lage deutlich macht.
Für diejenigen von uns, die Teil der unabhängigen kubanischen Zivilgesellschaft sind, sind diese Aussagen nicht nur eine externe Analyse. Sie bestätigen eine Realität, die Millionen Kubaner täglich erleben: fehlende Freiheiten, eine tiefe wirtschaftliche Krise und eine wachsende Emigration. Eine der wichtigsten Aufgaben in Europa besteht deshalb darin, idealisierte Narrative zu hinterfragen und ein realistischeres Bild der Situation in Kuba zu vermitteln.
Die kubanische Zivilgesellschaft in Europa ergreift das Wort
Das Treffen in Rom war nicht nur ein diplomatischer Austausch, sondern vor allem ein Forum, in dem verschiedene Stimmen der kubanischen Zivilgesellschaft ihre Anliegen und Vorschläge vorbringen konnten.
Vertreter von Organisationen des Exils betonten, dass Kuba einen der schwierigsten Momente seiner jüngeren Geschichte erlebe. Gleichzeitig wiesen sie darauf hin, dass eine zunehmend bewusste Bürgerschaft heranwächst, die ihre Rechte kennt und einfordert. Die Forderungen sind klar: Meinungsfreiheit, Vereinigungsfreiheit, freie und pluralistische Wahlen, unabhängige Institutionen und ein echter Rechtsstaat.
Darüber hinaus wurden konkrete Vorschläge für die Zukunft des Landes diskutiert – von sozialen Initiativen zur Unterstützung besonders verletzlicher Bevölkerungsgruppen bis hin zu Strategien zur besseren Zusammenarbeit zwischen Organisationen innerhalb und außerhalb Kubas. Ein gemeinsamer Nenner wurde deutlich: Ein demokratischer Übergang wird nur mit einer organisierten, pluralen und koordinierten Zivilgesellschaft möglich sein.
Die Intervention von Legren Vélez: „Botschafter der Wahrheit“
Im Namen eines Teils der kubanischen Gemeinschaft in Deutschland brachte Legren Vélez eine klare Botschaft zum Ausdruck: Die unabhängige kubanische Zivilgesellschaft ist bereit, Verantwortung in einem zukünftigen Veränderungsprozess zu übernehmen.
„Heute sind wir Botschafter der Wahrheit. Während des Wandels werden wir Botschafter des Übergangs sein. Und wenn Kuba frei ist, werden wir in Europa Botschafter der Freiheit sein“, erklärte er.
In seiner Rede betonte er, dass Organisationen der Zivilgesellschaft – vielfältig, aber respektvoll miteinander – die „Stammzelle jeder Demokratie“ darstellen. Gleichzeitig rief er dazu auf, das Schweigen zu durchbrechen, das in manchen europäischen Institutionen angesichts der Menschenrechtsverletzungen in Kuba noch immer herrscht.
Aus dieser Perspektive beschränkt sich die kubanische Diaspora in Europa nicht darauf, die aktuelle Situation anzuprangern. Sie arbeitet auch aktiv daran, institutionelle Vorschläge zu entwickeln, die einen demokratischen und stabilen Zukunftsweg für das Land ermöglichen.
Schon heute eine demokratische Transition vorbereiten
Einer der wichtigsten Beiträge des Treffens war die Vorstellung eines strukturierten Modells für einen demokratischen Übergang, das vom Foro Cubano Europeo por los Derechos Humanos vorgeschlagen wurde.
Zu seinen zentralen Pfeilern gehören die Anerkennung des kubanischen Volkes als einzigem souveränen Subjekt, die Stärkung einer unabhängigen Zivilgesellschaft innerhalb und außerhalb der Insel sowie die Entwicklung partizipativer Mechanismen – einschließlich eines möglichen Referendums –, durch die die Bürger frei über ihre politische Zukunft entscheiden können.
Die Initiative betont außerdem die absolute Priorität der Freilassung aller politischen Gefangenen sowie den Aufbau stabiler institutioneller Grundlagen, die Gewaltenteilung, Grundrechte und politische Stabilität während des Übergangsprozesses gewährleisten.
Bei MenschenDeCuba e.V. sind wir überzeugt, dass die Zukunft Kubas auf Beteiligung, Verantwortung und demokratischer Vision aufgebaut werden muss. Die Geschichte zeigt, dass nachhaltige Veränderungen aus dem Willen der Völker entstehen. Wie Legren Vélez mit Blick auf die Demonstrationen vor dem Fall der Berliner Mauer erinnerte: „Wir sind das Volk.“
Heute beginnen Kubaner innerhalb und außerhalb der Insel, sich auf diesen Moment vorzubereiten. Denn die Zukunft Kubas wird letztlich von den Kubanern selbst entschieden werden – in Freiheit.

