München, 10. Februar 2026. Der deutsch-kubanische Verein MenschenDeCuba e. V. hat sich in den vergangenen Jahren als engagierte Stimme der Solidarität mit der kubanischen Zivilgesellschaft etabliert. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Unterstützung von Initiativen, die sich für Meinungsfreiheit, demokratische Teilhabe und gesellschaftlichen Dialog einsetzen. In diesem Kontext richtet der Verein seine Aufmerksamkeit auf das unabhängige Kommunikationsprojekt El4tico, dessen Mitglieder derzeit Repressionen durch die kubanischen Behörden ausgesetzt sind.
Das audiovisuelle Projekt El4tico wurde von den jungen Aktivisten Ernesto Ricardo Medina und Kamil Zayas Pérez gegründet. In einem kleinen Raum – mit Zeitungen der staatlichen Presse tapeziert, einer alten Tafel und einem kaum funktionierenden Ventilator – produzierten sie kurze Videos für soziale Netzwerke. Ihr Ziel war es, politische, wirtschaftliche und historische Themen verständlich zu erklären und eine offene Diskussion über die Realität in Kuba anzuregen.
Mit einem direkten, humorvollen Stil sprachen sie vor allem junge Kubanerinnen und Kubaner an, die nach unabhängigen Informationen suchen. Damit wurde El4tico zu einem seltenen Raum des kritischen Austauschs in einem Land, in dem unabhängige Medien stark eingeschränkt sind.
Junge Stimmen im digitalen Kuba
Am 6. Februar 2026 wurden Ernesto Ricardo Medina und Kamil Zayas Pérez in der Stadt Holguín von Sicherheitskräften festgenommen. Während des Einsatzes beschlagnahmten die Behörden Computer, Kameras und Telefone, mit denen die beiden Aktivisten ihre Inhalte produzierten. Kurz darauf bestätigte die Staatsanwaltschaft der Provinz Holguín, dass gegen sie wegen der angeblichen Straftaten „Propaganda gegen die verfassungsmäßige Ordnung“ und „Anstiftung zu Straftaten“ ermittelt wird – Vorwürfe, die in Kuba häufig gegen kritische Stimmen eingesetzt werden.
Der Fall von El4tico steht stellvertretend für eine neue Generation junger Kubanerinnen und Kubaner, die soziale Medien nutzen, um ihre Realität sichtbar zu machen. Viele von ihnen sind in einer Zeit aufgewachsen, in der die Versprechen der Revolution längst verblasst sind. Für sie liegt ein Teil der Freiheit nicht mehr auf der Straße, sondern im digitalen Raum – in einem 60-Sekunden-Video auf Instagram oder einem kurzen Beitrag auf YouTube.
Unter schwierigen Bedingungen produzieren sie Inhalte: während Stromausfällen, spät in der Nacht oder mit extrem langsamen Internetverbindungen, die das Hochladen eines kurzen Videos mehrere Stunden dauern lassen. Trotzdem entstehen neue digitale Räume der Debatte. Ein Beispiel ist das junge Kollektiv Fuera de la Caja Cuba, gegründet von vier Aktivistinnen und Aktivisten aus Havanna: Amanda Beatriz Andrés Navarro, Abel Alejandro Andrés Navarro, Mauro Reigos Pérez und Karel Daniel Hernández Bosques.
Ihr Projekt verbindet Kunst, Analyse und politischen Aktivismus. Mit tausenden Followern in sozialen Netzwerken stehen sie für eine Generation, die das System von innen kennt und dennoch den Mut hat, es öffentlich zu hinterfragen. Sie unterstützen auch verfolgte Projekte wie El4tico und beteiligen sich an Kampagnen wie #TodosSomosEl4tico. Ihre Botschaft ist klar: Die Forderungen der kubanischen Bevölkerung dürfen sich nicht auf bessere Lebensbedingungen beschränken – es geht um grundlegende Freiheiten.
Trotz Einschüchterungsversuchen durch die Staatssicherheit erklären sie entschlossen: „No nos van a callar“ – Sie werden uns nicht zum Schweigen bringen. Ihre Vision formulieren sie in einem Satz, der viele junge Kubanerinnen und Kubaner verbindet: „Wir wollen hier bleiben aus Stolz, nicht aus Entbehrung“
Internationale Unterstützung und Engagement der Zivilgesellschaft
Die Verhaftung der beiden Aktivisten hat weltweit Solidaritätsbekundungen ausgelöst. Künstlerinnen und Künstler, Journalist*innen sowie Menschenrechtsorganisationen haben ihre Freilassung gefordert und auf die Bedeutung unabhängiger Stimmen in Kuba hingewiesen. Auch der deutsch-kubanische Verein MenschenDeCuba e. V. hat sich öffentlich mit den Mitgliedern von El4tico solidarisiert.
Der Verein fordert die unverzügliche Freilassung von Ernesto Ricardo Medina und Kamil Zayas Pérez sowie die Einstellung aller gegen sie gerichteten Verfahren. Darüber hinaus appelliert er an die kubanischen Behörden, das Recht auf freie Meinungsäußerung zu respektieren und unabhängige journalistische Projekte nicht zu kriminalisieren.
Für MenschenDeCuba e. V. ist der Fall von El4tico ein Beispiel für die schwierige Lage vieler zivilgesellschaftlicher Initiativen auf der Insel. Trotz wachsender sozialer und wirtschaftlicher Krisen bleibt der Raum für unabhängige Medien und kritische Debatten stark eingeschränkt. Projekte wie El4tico versuchen dennoch, alternative Perspektiven sichtbar zu machen und gesellschaftliche Diskussionen anzustoßen.
Solidarität bedeutet für den Verein daher mehr als eine symbolische Geste. Durch Informationsarbeit, internationale Vernetzung und öffentliche Kampagnen möchte MenschenDeCuba e. V. dazu beitragen, dass die Stimmen der kubanischen Zivilgesellschaft gehört werden.
Gemeinsame Perspektiven und die Vision einer demokratischen Zukunft
Die Verbindung zwischen MenschenDeCuba e. V. und dem Kollektiv von El4tico zeigt sich auch in ihrer gemeinsamen Bewerbung für das Förderprogramm CCP Synergy des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa). Das Programm unterstützt Tandem-Kooperationen zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen aus Deutschland und Partnerländern, die gemeinsame Projekte entwickeln und sich langfristig vernetzen möchten. Gefördert werden dabei verschiedene Formen der Zusammenarbeit – von Online-Kooperationen über hybride Formate bis hin zu Kurzaufenthalten von Mitarbeitenden. Ziel ist es, den Austausch zwischen zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren über Ländergrenzen hinweg zu stärken.
Für den deutsch-kubanischen Verein MenschenDeCuba e. V. und die jungen Stimmen von El4tico bedeutet diese Zusammenarbeit eine wichtige Chance. Beide Organisationen teilen die Vision, dass die kubanische Jugend ihre Rechte kennt, sie einfordert und in einem demokratischen System aktiv wahrnimmt. Die Partnerschaft steht damit nicht nur für Solidarität im gegenwärtigen Moment, sondern auch für eine Zukunftsperspektive: eine Generation junger Kubanerinnen und Kubaner, die informiert, vernetzt und mutig genug ist, die demokratische Entwicklung ihres Landes selbst mitzugestalten.

